Nicht ganz Fachkräftemangel, aber ein interessanter Blick auf die Personalpolitik der “Firm”.
McKinsey wird dieses Mal nur 200 Mitarbeiter:innen zu Partner:innen befördern, so das Wall Street Journal mit Bezug auf Insider.
Das ist 20% weniger als im Vorjahr, nur knapp die Hälfte des Durchschnitts der letzten Jahre und einer der niedrigsten Werte seit langem.
Was ist da los? Die weltgrößte Strategieberatung erlebt derzeit ein international wechselhaftes Geschäft und muss aufgrund ihrer Beteiligung an so manchen Skandalen derzeit viel an Strafen zahlen.
Deswegen hatte McKinsey sich vor einigen Monaten bereits einen seltenen Sparplan verschrieben. So kennt man die glamouröse Beratungsfirma gar nicht. Selbst Jobabbau gab es, auch wenn er eher die “back office”-Rollen betraf: All die Mitarbeiter:innen, die dafür sorgen, dass die Berater:innen ihre Arbeit verrichten können.
Und nun trifft es offenbar auch die Creme de la Creme: Jene Mitarbeiter:innen, welche vor dem Sprung in die Partnerschaft stehen. Oder standen. Denn viele der Geschassten könnten sich jetzt verabschieden.
Intern war offenbar die Sorge, dass McKinseys Partnerschaft zu groß geraten war. Knapp 3.000 Partner:innen gibt es, bei 45.000 Mitarbeiter:innen.
Andersherum ist es allerdings ein Risiko, dass Talente, die jetzt nicht zum Zug gekommen sind, abwandern. Andere Beratungen, in die Industrie, zu einem Techkonzern oder vielleicht doch einfach das Startup gründen, über das man seit Jahren nachdenkt.
Und da wären wir doch wieder bei einer Lektion über den Fachkräftemangel: Manchmal läuft es in einem Unternehmen nicht gut und die Verlockung ist hoch, Talente gehen zu lassen. Schließlich spart das Geld, welches gerade dringend benötigt ist.
Doch was im ersten Moment von Vorteil wirkt, wird kurz darauf zur Falle. Konkurrenten sichern sich die Talente und das so wichtige Knowhow. Schlägt das Geschäft der Branche wieder um, profitieren die Rivalen, während man selbst erst wieder mühsam auf Talentsuche gehen muss.
Das versteht auch McKinsey. Drum wurden keine Berater entlassen (also, nicht mehr als auch sonst üblich), sondern einfacher ersetzbare Back-Office-Rollen. Und auch jetzt bei der kleinen Partner-Kohorte wird es mich nicht überraschen, wenn McKinsey den “Geschassten” versucht, die Schande mit geldwerten Geschenken etwas zu versüßen. Damit sie noch aufs nächste Jahr warten.