Die deutsche Rentenpolitik kann kaum weniger nachhaltig sein und frisst in unser Arbeitsangebot. Wir brauchen ein späteres Renteneintrittsalter.
So, abhängig davon, wie beliebt oder unbeliebt ich mich mit diesem Beitrag mache, wissen wir gleich, wie alt die Leser von Diagnose: Fachkräftemangel sind.
Das Renteneintrittsalter muss höher liegen.
Hinter verschlossenen und immer öfter offenen Türen sagt das jeder Ökonom, der etwas auf sich hält. So nun auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel - danke dafür!
Der Grund ist einfach. Wir haben ein langfristiges demografisches Problem und wir haben ein akutes sowie langfristig noch verschärftes Fachkräfteproblem.
Beides zusammen bedeutet: Wir haben mehr Menschen, die später Rentenleistungen benötigen und wir haben weniger Menschen, welche zum Wohlstand beitragen werden.
Das ist ja für so ziemlich niemanden in Deutschland noch eine Überraschung.
Umso überraschender, dass absolut keine einzige Partei bereit ist, sich für ein späteres Renteneintrittsalter auszusprechen. Keine einzige. Die eher linken Parteien sehen es irgendwie als Verrat an der sozialen Gerechtigkeit; die eher rechten Parteien offenbar als Verrat an Bald-Ruheständlern, die doch so hart gearbeitet hätten.
Ich weiß nicht. Gerechtigkeit bedeutet meines Erachtens nach, anzuerkennen, dass wir heute viel länger und auch viel länger gesünder leben. Und dass die Anforderungen, unseren gesamtgesellschaftlichen Wohlstand zu erhalten, gestiegen sind.
Da klingt es doch nur fair, das Renteneintrittsalter ein wenig anzuheben. Gerne mit Ausnahmeregelungen für Menschen, die besonders lange oder in besonders anstrengenden Berufen arbeiten.
Was passiert stattdessen? Praktisch das Gegenteil. Die Ampelkoalition hatte mit ihrem Rentenpaket II ein gigantisches Geschenk an Ruheständler und solche, die es sehr bald werden, gemacht. Mindestens 500 Milliarden Euro bis 2045… ich glaube die Größenordnung ist vielen gar nicht bewusst.
Der Zerfall der Ampel scheint das Paket zwar vorläufig gestoppt zu haben. Aber es zeigt, wie weit entfernt wir davon sind, den unpopulären aber notwendigen Schritt einer Eintrittsaltererhöhung zu machen.