Die Nettozuwanderung lag in Großbritannien 2023 bei 906.000, ein neuer Rekordwert. Herzlichen Glückwunsch! Wie, die freuen sich ja gar nicht?
Um unsere Beschäftigung konstant zu halten, brauchen wir in den kommenden Jahrzehnten eine Nettozuwanderung von zumindest 400.000 Personen jährlich, so das Wirtschaftsinstitut IAB.
Ich weiß zwar nicht genau, wie hoch die Bedarfsschätzung für Großbritannien ausfällt, aber mit 906.000 Personen Nettozuwanderung liegen sie garantiert drüber.
Gut für sie!
Migration ist ja bekanntermaßen ein riesiges Politikum, vor allem die illegale Migration, welche heute aus irgendeinem Grund einfach mit jeder Migration gleichgesetzt wird.
In Großbritannien sieht’s nicht anders aus. Dass das Land so attraktiv ist, dass fast eine Million mehr Menschen hinzieht als wegzieht, wird da eher als Grund zur Scham gesehen.
Die Regierung entschuldigt sich regelrecht. Und betont ganz verschüchtert, dass die Zahlen zuletzt um 20% auf 728.000 gefallen sei. Hurra! Weniger Menschen, weniger Arbeitskräfte im Land!
Eine Sache steht fest: Über den langfristigen Wachstumspfad eines Landes entscheiden zwei Faktoren: Bevölkerungsgröße und Technologie. Wenn erstere fällt, muss zweiteres ziemlich kräftig aushelfen.
Etwas weniger langfristig bedeuten weniger Arbeitskräfte weniger Wohlstand, weniger Sozialstaat und höhere Inflation.
Und noch einmal: Die 908.000 oben sind nicht alles Geflüchtete. Es umfasst auch ganz “klassische” Arbeitsmigrant:innen.
Also: Vielleicht sollte sich ein Industriestaat mit unschöner demografischer Perspektive nicht allzu sehr darüber freuen, wenn er immer kleiner wird; und es nicht als Schönheitsfehler empfinden, wenn er Migration erfährt.
Sie vernünftig managen zu wollen, z.B. was Wohnungsmarkt, Integration, Arbeitsmarktintegration etc. angeht, ist völlig valide.
Sie zu verfluchen ist im aktuellen Zustand unserer Volkswirtschaften einfach nur dämlich.