China rekrutiert westliche Fachkräfte weg und die Regierungen sehen das als alles andere als harmlos. Besser so.
Schon von Zeiss gehört? Falls du dich jemals mit der Chipbranche auseinandergesetzt hast, garantiert. Die deutsche Traditionsfirma liefert essentielle Komponenten für die Herstellung von Halbleitern.
China ist nicht nur an Halbleitern oder Optiktechnologie interessiert, sondern auch an den Talenten dahinter. Zahlreiche Mitarbeiter:innen mit Zugang zu sensiblen Informationen bei Zeiss werden von Huawei geheadhuntert, und zwar mit dem Versprechen auf bis zu das dreifache an Gehalt.
Ein heftig sanktionierter chinesischer Techriese nähert sich mit absurden Geldmengen deutschen Technologiefachkräften an? Die deutschen Sicherheitsbehörden haben direkt eine Ermittlung aufgenommen.
Gut so. Vor ein paar Jahren hätten wir das Problem noch genauso ignoriert, wie wir viele unserer Probleme gerne ignorieren. Die Robotikfirma Kuka durfte noch 2016 ohne jede Gegenwehr von uns von einem chinesischen Konzern übernommen werden.
Heute sind wir ein wenig wachsamer für strategisch motivierte chinesische Beteiligungen und Übernahmeversuche.
Wir sind aber längst nicht die einzigen Ziele. In ganz Europa, in Taiwan und im Silicon Valley sind chinesische Firmen auf einmal mit extrem tiefen Taschen unterwegs, um Talente abzuwerben.
Oft verschleiern sie dabei, dass sie aus China stammen, indem sie lokale Gesellschaften aufsetzen.
Der Anreiz ist recht klar: Wer die Fachkräfte kontrolliert, kontrolliert die Welt. Oder allermindestens kritische Infrastruktur und Wertschöpfungsketten.
Für China kommt hinzu, dass die USA das Land im Technologiebereich teils heftig sanktionieren. Der Zugang für hochmoderne Chips ist in China beschränkt, auch wenn es immer wieder Berichte gibt, dass das Land hier und da doch irgendwie einen Weg dran vorbei gefunden hat.
Wenn China schon nicht an die Chips selbst, ihre Herstellungswege oder ihre Komponenten gelangt, so versucht es jetzt eben, an die Talente dahinter zu gelangen.
Schafft es das, wäre es ein viel größerer Coup: Wer eine Komponente exportiert, kann für den Eigenbedarf eben eine neue bauen.
Einen neuen Chipexperten “heranzuzüchten” dauert Jahre oder Jahrzehnte.
Also: Lasst uns lieber wachsam bleiben. Die Realität ist, dass heute nicht jede Markttransaktion (z.B. ein Jobangebot) in “good faith” geschieht, sondern manchmal politisches Kalkül dahinter steht.
Und selbst wenn es eine völlig valide, kommerziell motivierte, nicht von der Politik beeinflusste Transaktion sei: Wenn sie darin resultiert, dass wir extrem wichtige Fachkräfte verlieren, so müssen wir uns ganz stark die Frage stellen, wie wir die Talente halten können.